J wie Jacquard
Früher war Jacquard der Stoff für Schlösser, Salons und den Satz „nur gucken, nicht anfassen“. Heute wird er ganz selbstverständlich gestylt – beim Coffee-Run oder in der Front Row.
Jacquard Jam: Warum Brokat jetzt Street kann
Der Jacquard-Trend macht genau das, was wir gerade lieben: Er nimmt etwas Klassisches, dreht es auf Zukunft und trägt es ohne Ehrfurcht – aber mit Stil. Jacquard gehört nicht mehr nur zu speziellen Anlässen, sondern hat genau die richtige Attitüde. Wie man den edlen Webstoff jetzt trägt, welche Pieces dabei zählen und wie du ihn von „too much“ zu „just right“ bringst? Here we go.
Jacquard 101: Was genau ist das eigentlich – und warum fühlt es sich so besonders an? Wenn Jacquard ein Mensch wäre, dann so einer, der schon alles gesehen hat – Oper, Atelier, Streetstyle – und trotzdem nie angestaubt wirkt. Denn: Jacquard ist kein Muster im klassischen Sinne und auch kein Trend-Gimmick.
Textur-Game strong: Jacquard spielt die Hauptrolle, Accessoires übernehmen den Support.
Jacquard ist eine Webtechnik. Bedeutet: Das Motiv wird nicht auf den Stoff gedruckt, sondern direkt eingewebt. Das ist wie der Unterschied zwischen „Sticker aufs Handy“ und „Gravur im Metall“. Beides nett, aber nur eins hat Tiefe.
Typisch für Jacquard ist diese leicht reliefartige Oberfläche, oft mit dezentem Glanz und einem Muster, das sich je nach Licht bewegt. Man sieht nicht nur Farbe, sondern Struktur. Deshalb wirkt Jacquard automatisch hochwertig – selbst wenn der Schnitt total simpel ist. Ein Jacquard-Mini kann wie Haute Couture aussehen, obwohl er „nur“ ein Mini ist. Der Stoff macht seinen Job.
Warum sieht Jacquard so rich aus?
Jacquard kann je nach Garn und Webung super unterschiedlich wirken: von weich und fließend bis fest und fast brokatartig. Ob beispielsweise Baumwolle oder Leinen – Jacquard-Design bringt Blumen und andere Muster nicht nur als Print, sondern als fühlbare Struktur auf Kleider, Röcke und Jacken. Farben? Alles ist erlaubt! Blau, Beige, Pink, Neon, dezent … jedes Design wirkt so modern, dass selbst Kissen gerade neidisch werden.
Hier ein paar Jacquard-typische Eigenschaften:
Tiefe statt Fläche Weil mehrere Fäden und Bindungen beteiligt sind, bekommt das Muster Dimension. Dadurch sieht Jacquard nie flach aus – eher wie ein Stoff mit 3D-Filter.
Muster, die nicht „aufhören“ Ein Print endet an der Oberfläche. Jacquard ist durchkomponiert, das Motiv ist Teil der Stoffarchitektur. Dadurch wirkt alles komplexer.
Lichtspiel Viele Jacquards haben Garne, die leicht glänzen (Seide, Viskose, Metallic-Anteile). Heißt: Der Stoff reagiert auf Bewegung und Licht. Er lebt.
Stabilität Jacquard hat oft mehr Stand als andere Webstoffe. Deshalb eignet er sich so gut für Tailoring, Mäntel, strukturierte Minis, Westensets.
Luxus-Reflex Unser Auge verbindet Tiefe plus Glanz plus handwerkliche Optik automatisch mit Wertigkeit. Jacquard trickst also ein bisschen unser Gehirn aus – aber auf die beste Art.
Woher kommt Jacquard? Ein kurzer Ritt durch die Modegeschichte
Jacquard klingt wie ein Parfum aus Paris – und ja, Frankreich spielt hier wirklich eine Rolle. Der Name geht zurück auf Joseph-Marie Jacquard, einen französischen Erfinder, der Anfang des 19. Jahrhunderts den Webstuhl revolutioniert hat.
Der Jacquard-Webstuhl war ein echter Gamechanger, weil er komplexe Muster automatisiert weben konnte – und zwar mithilfe von Lochkarten. Ja, richtig gelesen: Lochkarten. Jacquard ist also sowas wie der Urgroßvater von „coded design“. Bevor wir alles digitalisiert haben, hat Jacquard Stoffe programmiert.
Zuvor entstanden komplizierte Muster stets in Handarbeit und waren deshalb extrem teuer. Das konnten sich nur Adlige, Kirchen, reiche Bürgerhäuser leisten. Brokat, Damast, Gobelin – Stoffe wie Teppiche zum Anziehen.
Mit dem Jacquard-Webstuhl wurden detailreiche Motive plötzlich schneller, präziserer und in größerer Menge produziert. Jacquard war damit nicht nur Mode-, sondern Industriegeschichte. Ein Stoff, der die Welt effizienter gemacht hat – und dabei schön geblieben ist.
Jacquard, Brokat, Damast, Gobelin – was ist der Unterschied?
Jacquard: die Technik. Ein Oberbegriff für Stoffe mit eingewebten Mustern.
Brokat: meist eine Jacquard-Variante mit metallischen Garnen und starkem Glanz. Sehr fest, sehr „royal“.
Damast: ebenfalls Jacquard-gewebt, aber tonal und feiner, oft glänzend-matt im Wechsel. Klassisch in Tischwäsche, aber auch in Mode.
Gobelin/Tapestry: schwere Jacquard-Stoffe mit bildhaften Motiven, manchmal wie Wandteppiche. Heute in Jacken, Mänteln, Taschen.
Heißt: Jacquard ist die Bühne, Brokat, Damast und Gobelin sind die Genres.
Warum Jacquard gerade jetzt wieder in ist
Jacquard passt heute perfekt in das, was Mode aktuell will:
Handwerk statt Hype Wir sehen eine Rückkehr zu Materialien, die echte Arbeit zeigen. Webstruktur ist sichtbar, fühlbar, nicht nur Effekt.
Nostalgie – aber modern Wir feiern Retro, aber nicht als Verkleidung. Jacquard bringt Heritage, ohne dass man nach Museum aussieht.
Qualität als Statement In Zeiten von Fast-Fashion-Fatigue wirkt ein Jacquard-Piece wie ein „Ich habe mir Gedanken gemacht“-Signal.
Textur als Trend Nach Clean-Girl, Quiet Luxury und viel Glattheit sind Stoffe mit Oberfläche wieder der Kick. Jacquard ist die Premium-Version davon.
Die Key-Pieces für den Jacquard-Style
Jacquard-Coat / Long Jacket Das opulente Teil, das alles zusammenzieht. Ob als Teppich-Mantel, Brokat-Duster oder leichter Tapestry-Trench: funktioniert über Jeans genauso wie über einem Slipdress. Wichtig ist der Kontrast – sonst rutscht es zu schnell ins Kostüm.
Jacquard-Set Zweiteiler oder Dreiteiler sind der schnellste Weg zum High-Impact-Look. Die Silhouette kann clean sein (Wide-Leg plus Weste) oder sexy-modern (Corsage plus Tailoring). Der Trick ist, das Set nicht zu brav zu stylen: Schuhe und Accessoires leicht „gegensteuern“.
Jacquard-Mini Mini-Kleid oder Mini-Suit: Jacquard wirkt hier wie ein tragbares Kunstwerk. Kurze Länge nimmt dem Stoff die Schwere – und macht ihn automatisch party-ready.
Jacquard-Skirt Pencil, Midi oder Maxiformat – Jacquard-Röcke sind die eleganteste Möglichkeit, Textur in den Alltag zu holen. Besonders cool: zu Oversize-Knit oder Cardigans.
Jacquard-Bomber / Casual Top Der sportlichste Einstieg: Tapestry-Bomber oder floral gewebte Jacket. Damit landet der Stoff sofort im Street-Register.
Dos:
Kontraste schaffen. Jacquard liebt Denim, Strick, Leder, Metallic-Vibes oder Athleisure-Stimmung.
Eine Bühne pro Outfit. Wenn das Jacquard-Piece knallt, darf der Rest ruhig sein.
Silhouette frisch halten. Mini, Wide-Leg, oversized oder cleane Tailoring-Lines.
Muster bewusst mixen. Ton-in-Ton oder gleiche Farbfamilie bedeutet: sicherer Sweet Spot.
Schuhe als Stilbruch nutzen. Boots, Flats, Loafer, sogar „Ugly Sneaker“ – alles erlaubt.
Don’ts:
Komplett in „Vintage-Kostüm“ abtauchen. Jacquard ist Inspiration, kein Reenactment.
Zu viele Glitzer-Partner. Wenn der Stoff glänzt, bitte kein Pailletten-Overkill dazu.
Muster ohne Luft. Allover-Jacquard plus Allover-Print kann schnell schwer wirken – lieber einzelne Hingucker schaffen.
Zu steife Styling-Regeln. Jacquard lebt von Freiheit und Bruch.
Der Stoff, der Stories erzählt: Jacquard-Looks mit Style-Hack
Tapestry-Corsage trifft Denim-Wide-Leg
Florale Jacquard-Corsage oder Bustier als Hingucker, dazu superweite dunkle Jeans. Elegant oben, effortless unten – perfektes Gleichgewicht.
Style-Hack: Wenn Jacquard hautnah sitzt (Bustier, Corset), gibt man unten Volumen. Weite Hosen machen den Look nonchalant.
Black-on-Black Jacquard Set
Tonales Set aus Top und Midi-Rock in dunklem Jacquard wirkt minimalistisch, aber niemals langweilig – dank Struktur.
Style-Hack: Bei monochromen Jacquard-Looks reichen ein paar glatte Accessoires (schmale Shades, cleane Bag), damit die Textur für sich spricht.
Ornament-Mantel als Maximal-Statement
Ein langer, ornamentaler Jacquard-Coat mit kräftigen Farben und Muster-Mix. Die Silhouette bleibt lang und fließend – das Muster übernimmt die Show.
Style-Hack: Wähle unter dem Mantel eine ruhige Basis (Schwarz, Creme, Denim). Der Mantel soll das Highlight bleiben.
Jacquard, aber mit Wow-Faktor
Weniger ist mehr
Dieser Mantel ist ein kompletter Look. Das üppige Jacquard-Muster bringt direkt Vintage-Luxus, aber durch den cleanen Schnitt wirkt’s nicht verkleidet, sondern richtig modern. Dazu Boots und eine schwarze Tasche: kein Schnickschnack, nur ein smarter Kontrast, der dem Muster die Bühne gibt.
Style-Hack: Setze einen harten Akzent, z.B. mit einem knalligen Schal oder einer farbigen Mini-Bag (Cherry Red oder Petrol). Das gibt dem Mantel einen aktuellen Twist und macht aus „rich vintage“ sofort „fashion now“.
Cozy-Glam: Silber-Jacquard plus Oversize-Cardigan
Schimmernder Jacquard-Midi-Rock in Kombi mit einem weichen, extra großen Cardigan. Elegant unten, cozy oben.
Style-Hack: Knits nehmen Jacquard die Förmlichkeit. Je grober der Strick, desto moderner wirkt’s.
Beaded Jacquard Vest plus Draped Check
Eine reich verzierte Jacquard-Weste als Top, dazu eine weich fallende, karierte Hose. Muster-Mix, aber gelungen.
Style-Hack: Mixe zwei Muster, aber halte sie in einer ähnlichen Tonwelt. Dann wirkt’s wie Absicht, nicht wie Zufall.
Jacquard: High Texture, High Impact
Rust-Jacquard Mini-Suit
Rüschenfront, leicht ausgestellte Ärmel, brokathafte Musterung. Dazu hohe, spitze Boots – sehr parisienne, sehr jetzt.
Style-Hack: Bei romantischem Jacquard immer ein „cooles“ Element dagegensetzen – spitze Boots, Nieten-Bag, kantige Sonnenbrille.
Gold-Brocade als Mantel-Dress
Ein mustard-goldener Jacquard-Longcoat über einer schwarzen Base. Die Farbe wirkt wie absolutes Spot-Light.
Style-Hack: Wenn Jacquard so präsent ist, lass ruhig überflüssigen Schmuck weg. Ein Farb-Block reicht.
Preppy-Street mit Cap und Krawatte
Kurzer Jacquard-Suit (Mini-Rock/Blazer) wird mit Hemd, Krawatte, Cap und Heavy-Necklaces gebrochen.
Style-Hack: Preppy-Elemente (Hemd, Tie) nehmen Jacquard den „Abend-Touch“ und machen ihn tagsüber tragbar.
Mehr Struktur, weniger Langeweile: Jacquard
Cream Jacquard Jacket zu Jeans
Florale Jacquard-Jacket über kräftigem Strick und lässigen Jeans. Das ist der „Ich hab’s halt an“-Jacquard.
Style-Hack: Alltags-Denim ist der beste Jacquard-Partner. Je cleaner die Jeans, desto cooler kommt der Stoff zur Geltung.
Matching Floral Set plus Suede Boots
Kurzes Jackett und Mini im Tapestry-Blumenmuster, dazu helle Wildleder-Boots und XXL-Sunnies. Retro, aber nicht nostalgisch.
Style-Hack: Setze bei floralem Jacquard auf Accessoires in Natur-Nuancen, wie zum Beispiel Holzbraun. Das wirkt frisch.
Gold-Jacquard und Eclectic-Mini
Ein goldener Jacquard-Mantel als Glam-Layer über einem farbintensiven, gemusterten Mini-Dress. Das wirkt maximal, aber durch die klare Mantel-Form nicht chaotisch.
Style-Hack: Eine wilde Kombination verlangt nach Ruhe in der Haltung. Nur, wer sich in der Kombi wohl fühlt, strahlt Authentizität aus.
Korsett-Jacquard mit Black-Tailoring
Ein strukturierter, silber-schwarzer Jacquard-Corsage-Top zu ultraweiter schwarzer Hose. Elegant, aber nicht sweet.
Style-Hack: Korsett-Jacquard wirkt zeitgemäß, wenn die Hose weit geschnitten ist.
5 gute Gründe für Jacquard
Er macht jeden Look sofort hochwertig.
Er funktioniert in allen Stilrichtungen – von minimal bis maximal.
Er ist saisonübergreifend. Im Winter als Mantel, im Sommer als Mini oder Weste.
Er ist ein Stil-Shortcut. Ein Piece reicht, der Rest darf basic sein.
Er erzählt Geschichte, ohne alt zu wirken. Genau dieses „Heritage im Jetzt“ fühlt sich 2025 richtig an.
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