P wie Pitti Uomo
Mit Pitti Uomo fängt die Fashion-Saison an, noch ehe es eigentlich losgeht. Denn zweimal im Jahr werden in Florenz die Männermode-Trends gezeigt, die einige Zeit später auch in Mailand, London und Paris präsentiert werden.
Pitti Uomo: Wo Männerlooks gezeigt werden, bevor sie überall zu sehen sind
Zweimal im Jahr (traditionell im Januar und Juni) trifft sich die internationale Menswear-Welt in Florenz. In der Fortezza da Basso, mitten in einer Stadt, die Geschichte erzählt und trotzdem in die Zukunft schaut. Designer, Einkäufer, Journalisten, Trendforscher – und Menschen, die Mode nicht nur präsentieren, sondern leben.
Dabei ist die Pitti Uomo keine klassische Laufsteg-Show – sie lebt von Begegnung, von Gesprächen, von Stoffen und von Looks, die nicht für Likes konstruiert sind, sondern für echte Fashion-Fans.
Hier treffen Tradition und Innovation nicht als Buzzwords aufeinander, sondern ganz konkret: Familienbetriebe, Textilhersteller, spezialisierte Produktionsfirmen mit jahrzehntelanger Erfahrung stehen neben jungen Labels, neuen Märkten, neuen Silhouetten.
Florenz ist dafür die perfekte Kulisse. Renaissance-Palazzi, Kopfsteinpflaster, Espresso-Bars – und dazwischen moderne Schnitte, experimentelle Materialien, internationale Streetstylestars. Alt und neu reiben sich aneinander. Genau daraus entsteht diese besondere Spannung, die man auf keiner anderen Messe so spürt.
Der Menswear-Kick-off, den alle vergöttern
Was die Pitti Uomo im Jahr 2026 ausmacht? Diese Ausgabe ist mehr als ein Saisonauftakt. Sie ist bewusst als Neustart angelegt. Nach Jahren voller Unsicherheit – Pandemie, Energiepreise, geopolitische Krisen, sinkender Konsum – richtet sich der Blick nach vorne. Nicht euphorisch. Aber entschlossen. Der Fokus liegt klar auf Wiederaufbau. Auf Vertrauen. Auf der Frage: Wie geht es weiter, wenn Schnelllebigkeit und Masse nicht mehr reichen?
„Motion“ lautet das offizielle Thema der 109. Ausgabe. Und das passt! Menswear ist gerade in Bewegung. Silhouetten werden weiter, Übergänge fließender, Looks funktionaler. Kleidung muss mehr können, mehr mitgehen, mehr aushalten. Man sieht das sofort auf dem Gelände – und nicht nur auf den Shows.
Mehr als 750 Marken sind in Florenz vertreten, fast die Hälfte davon international. Die Pitti Uomo ist damit kleiner als im Vorjahr, aber auch fokussierter. Weniger Streuung, mehr Substanz. Genau das prägt auch die Stimmung.
Tatsächlich ist die Messe für Männermode politischer als je zuvor. Und das ganz bewusst.
Zur Eröffnung machte die italienische Regierung unmissverständlich klar, welche Rolle die Messe spielt. Pitti Uomo gilt in Rom als Symbol wirtschaftlicher Stärke und kultureller Identität. Adolfo Urso, Minister für Unternehmertum und Made in Italy, nutzte die Bühne für eine klare Botschaft: 2026 soll das Jahr werden, in dem die italienische Fertigungsindustrie – insbesondere die Mode – endgültig aus der Krise kommt.
Diese Haltung zeigt sich auch in den Kollektionen. Hochwertige Materialien, transparente Herkunft, langlebige Designs. Viele Marken präsentieren nachhaltige Linien, zirkuläre Materialien, Produktionsmethoden mit weniger Belastung für Mensch und Umwelt.
Florenz liefert: Trends und Talks
Auf der Pitti Uomo geht es um Vielfalt. Hier geht es um unterschiedliche kreative Ansätze: chinesische Streetwear, koreanisches Upcycling, nordische Funktionalität, japanische Präzision, mediterrane Inspiration. Unterschiedliche Handschriften stehen nebeneinander, ohne sich gegenseitig zu übertönen. Das wirkt nicht beliebig, sondern kuratiert.
Soshi Otsuki, Gewinner des LVMH Prize 2025, ist Gastdesigner der 109. Ausgabe. Er zeigt seine Herbst-/Winter-2026-Kollektion in einem Special Event und prägt gleichzeitig die visuelle Identität der Messe. Seine Arbeit verbindet japanische Tradition mit moderner Schneiderkunst und einer Klarheit, die sofort hängen bleibt. Ambitioniert, präzise, ruhig.
Neben ihm stehen Hed Mayner und Shinyakozuka im Fokus. Shinyakozuka zeigt Mode, die er selbst als „tragbare Bilderbücher“ beschreibt. Seine Entwürfe erinnern an Szenen, an Erinnerungen, an Traumwelten. Großzügige Proportionen, viel Atmosphäre, wenig Erklärung. Präsentiert wird er im kuratierten Bereich „Future Maschile“, der bewusst innovative Herrenmode in den Vordergrund rückt.
Insgesamt dominiert in diesem Jahr bei den Designs eine lockere Silhouette. Lange Mäntel – vom Trench bis zum Dufflecoat – sind allgegenwärtig. Blousons tauchen in allen Varianten auf: mit Teddykragen und Colourblocking oder im Materialmix.
Big Coats funktionieren genauso wie leichtere Layering-Looks, denn das Wetter spielt mit. Die meisten Outfits setzen nicht auf große Statements, sondern auf Details. Das Fußballtrikot unter dem Trench. Die Dad Cap zum Camel Coat mit Anzug und Krawatte. Die leuchtende Beanie zum funktionalen Fieldjacket.
Accessoires spielen eine größere Rolle als zuvor. Schals sind Styling-Elemente. Baretts und Pageboy Caps tauchen immer wieder auf. Und ja: kleine, schicke Hunde gehören zum Streetstyle dieser Pitti fast schon dazu. Acielle Tanbetova dokumentiert all das wie gewohnt mit sicherem Blick für Momente.
Die Pitti Uomo ist mehr als nur Laufsteg, sie ist Trendradar
Heritage, aber lässig
Zwei Versionen klassischer Eleganz, aber ohne Steifheit. Warme Brauntöne, Wollstoffe, Layering mit Selbstverständnis.
Der eine setzt auf Cord und Karo, der andere auf Dunkelgrün, Filzhut und Dreiteiler-Vibe. Tradition nicht geschniegelt, sondern gelebt.
Suits und Stadion
Baseballjacke trifft Maßanzug. Navy, Grau, Krawatte, dazu Yankees-Cap. Das ist kein Stilbruch, das ist Alltag auf der Pitti.
Sportswear wird hier nicht ironisch getragen, sondern ernst genommen. Tailoring bleibt, Haltung auch.
Teddy, aber teuer
Brauner Teddy-Coat, Rollkragen, helle Hose, breiter Hut. Fast filmisch. Der Look lebt von Texturen: weich, schwer, warm.
Alles Ton in Ton, aber nie langweilig. Ein Styling, das zeigt, wie gut klassische Farben funktionieren, wenn die Silhouette stimmt.
Power Tailoring
Beige Mantel, helles Cord, feines Layering darunter. Sehr ruhig, sehr präzise. Nichts lenkt ab, alles sitzt. Das ist der Beweis, dass Zurückhaltung auf der Pitti nicht unsichtbar macht, sondern auffällt – gerade zwischen all den starken Outfits.
Männer-Fashion? Dafür schauen wir nach Florenz
Think Pink
Schwarzer Mantel, knallpinker Zip-Pullover, Beanie. Pink funktioniert als klares Statement, ohne aufdringlich zu sein. Der Rest bleibt clean – und genau deshalb knallt es.
Office? Nein. Outfit!
Klassisches Tailoring mit Twist: grauer Mantel, Nadelstreifenhose, Krawatte, Handschuhe. Dazu eine Stofftasche statt Aktentasche.
Formell, aber modern. Businesswear, die mehr nach Bewegung aussieht als nach Büro.
Blue Sparks
Runway-Vibe pur. Dunkle Utility-Jacke mit eklektischen blauen Akzenten, der Schal wird zum Key-Piece. Funktion,
Taschen, Layering – alles sichtbar, alles bewusst. Das ist Menswear, die gefällt.
Pitti Uomo präsentiert die Style-Codes der Saison
Sharp Silence
Schmale Silhouette, strukturierter Anzug, hohe Schulternaht, strenge Linien. Minimalistisch, fast streng, aber extrem präzise.
Ein Style, der zeigt, wie stark klassische Schnitte wirken können, wenn sie konsequent gedacht sind.
Puffer als Hauptrolle
Metallic-Puffer trifft Hemd und Karo-Hose. Volumen oben, Ruhe unten. Ein Spiel mit Proportionen, das typisch für diese Pitti ist. Funktionale Outerwear wird zum Hauptdarsteller.
White Wave
Weißes Shirt im Oversize-Schnitt, tief angesetzte Schultern, fließender Stoff. Dazu eine dunkelblaue, weit geschnittene Hose und eine schlichte Beanie.
Der Look lebt von Volumen und Ruhe. Nichts lenkt ab, alles bewegt sich. Tailoring ohne Nähte, Minimalismus ohne Kälte.
Schal-Code
Allover-Print, weich fallend, bewusst unaufgeregt. Die Silhouette bleibt locker, fast pyjamahaft, aber kontrolliert.
Das Tuch um den Kopf bricht die Erwartung an klassische Menswear und verschiebt die Kombi Richtung Intimität.
Pitti Uomo: Styles, die wir feiern
Samt ist besonders
Samt in tiefem Blau, fließend geschnitten, mit freiem Oberkörper und Halterneck-Anmutung. Maskulin, feminin – Kategorien lösen sich auf. Das Design wirkt weich und dennoch nicht zerbrechlich.
Bei Tag und Nacht
Brauner Mantel mit klarer Linie, darunter ein schimmerndes Pailletten-Top. Alltag trifft Abend, matt trifft Glanz. Der Kontrast ist bewusst gesetzt, nicht plakativ.
Der Look spielt mit Erwartungen und bricht sie sanft – genau darin liegt seine Stärke.
Structure Game
Cape-ähnliche Silhouette aus Hahnentritt, darunter ein klassisches Hemd. Volumen oben, Struktur unten.
Der Look wirkt fast architektonisch, bleibt aber tragbar. Traditionelles Muster, neue Form. Menswear, die nicht erklärt werden will, sondern wirkt.
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